Andacht

 

 

2021, der 24. Jan. 

Kirchentütenandacht zum Lesen und Hören (per Kirchenradio)

3. GD nach Epiphanias)

 

 

 

Andacht zum dritten Sonntag nach Epiphanias, 24.01.2021

Ev. Kirchengemeinde St. Nikolai Jüterbog

(Musik zum Eingang)

(Votum und Begrüßung:)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

„Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“

Mit diesem Wochenspruch aus dem Lukasevangelium im 13. Kapitel, Vers 29 begrüße ich Sie herzlich zur Andacht am Radio und bei Ihnen zuhause.

Davon träumen wir momentan, auch ganz irdisch:

Alle gemeinsam am Tisch sitzen zu können, von überall her zusammenströmen zu können und miteinander Gottesdienst zu feiern.

Und der Wochenspruch macht uns Mut:

Das wird wieder werden. Hier bei uns in der Welt, aber auch bei Gott, dort im Ganz-wo-anders.

Wir dürfen uns freuen, das wird ein wahres Fest.

Lied EG 74 „Du Morgenstern, du Licht vom Licht“

Du Morgenstern, du Licht vom Licht, das durch die Finsternisse bricht, du gingst vor aller Zeiten Lauf in unerschaffner Klarheit auf. Du Lebensquell, wir danken dir, auf dich, Lebnd’ger, hoffen wir; denn du durchdrangst des Todes Nacht, hast Sieg und Leben uns gebracht. Du ewge Wahrheit, Gottes Bild, der du den Vater uns enthüllt, du kamst herab ins Erdental mit deiner Gotterkenntnis Strahl. Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, führ uns durch Finsternis zum Licht, bleib auch am Abend dieser Welt als Hilf und Hort uns zugestellt.

Wir sprechen gemeinsam Worte aus Psalm 86:

HERR, neige deine Ohren und erhöre mich; denn ich bin elend und arm. Bewahre meine Seele, denn ich bin dir treu. Hilf du, mein Gott, deinem Knechte, der sich verlässt auf dich. Denn du, Herr, bist gut und gnädig, von großer Güte allen, die dich anrufen. Vernimm, HERR, mein Gebet und merke auf die Stimme meines Flehens! In der Not rufe ich dich an; du wollest mich erhören! Herr, es ist dir keiner gleich unter den Göttern, und niemand kann tun, was du tust. Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren, dass du so groß bist und Wunder tust und du allein Gott bist. Weise mir, HERR, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.

Gesungen:

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Ich bete.

Guter Gott, Du lädst uns zu deinem Fest und an deinen Tisch ein,

so wie wir sind.

Traurig und fröhlich, ängstlich und mutig, alt und jung, mit starkem Glauben und voller Zweifel.

Bei dir haben wir alle einen Platz.

Lass uns deine Einladung annehmen und dein Fest mitfeiern.

Lass uns bei dir ankommen und sammle unsere Gedanken in deinem Frieden und in deiner Liebe - in diesem Gottesdienst, in der kommenden Woche, jeden Tag.

Amen.

Lied: EG 293

„Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all“

Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all, lobt Gott von Herzensgrunde, preist ihn, ihr Völker allzumal, dankt ihm zu aller Stunde, daß er euch auch erwählet hat und mitgeteilet seine Gnad in Christus, seinem Sohne. Denn seine groß Barmherzigkeit tut über uns stets walten, sein Wahrheit, Gnad, Gütigkeit erscheinet Jung und Alten und währet bis in Ewigkeit, schenkt uns aus Gnad die Seligkeit; drum singet Halleluja.

(Ansprache:)

Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande.

Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen.

Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon;

die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda.

Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort.

Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen.

Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut.

Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten,

starben auch die beiden, Machlon und Kiljon.

Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann.

Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück;

denn sie hatte erfahren im Moabiterland,

dass der Herr sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte.

Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr.

Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern:

Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter!

Der Herr tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt.

Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause!

Und sie küsste sie.

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr:

Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen.

Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter!

Warum wollt ihr mit mir gehen?

Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten?

Kehrt um, meine Töchter, und geht hin;

denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören.

Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!,

und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde,

wolltet ihr warten, bis sie groß würden?

Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören?

Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch,

denn des Herrn Hand hat mich getroffen.

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr.

Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr.

Sie aber sprach:

Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; k

ehre auch du um, deiner Schwägerin nach.

Rut antwortete:

Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte.

Wo du hingehst, da will ich auch hingehen;

wo du bleibst, da bleibe ich auch.

Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.

Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden.

Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.

Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen,

ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander,

bis sie nach Bethlehem kamen.

Und als sie nach Bethlehem hineinkamen,

erregte sich die ganze Stadt über sie, und die Frauen sprachen:

Ist das die Noomi?

Ich saß mit Gott noch nie in einem Boot. (Stimme Noomi´s)

Nie war ich in der Stadt, wenn er mal zu Besuch kam,

als sich große Menschentrauben formten und sich dann durch die Gassen schoben.

Ich war nie dabei als er Sünden vergab und Lahme wieder gehend machte und Blinde wieder sehend, und Tote wieder lebendig.

Nie war ich dabei.

 

Liebe Hörende, kennen Sie das Gedicht von Rainer Kunze?

Es heißt: RUDERN ZWEI

Rudern zwei ein boot,

der eine kundig der sterne,

der andere kundig der stürme,

wird der eine führn durch die sterne wird der andre führn durch die stürme und am ende ganz am ende wird das meer in der erinnerung blau sein

Ich saß mit Gott noch nie in einem Boot.

Halt, Noomi, steuer das Boot doch mal anders,

denn ich höre das Meer aus dem Gedicht rauschen:

Das Meer meines Lebens hat ein Ufer. Dort hat alles begonnen für mich.

Einer hat mich dort ins Boot gesetzt - hinaus auf das Meer des Lebens. So hat es angefangen.

Das Meer des Lebens hat ein Ufer. D

as Meer meines Lebens hat einen Horizont, zu dem geht meine Lebensreise.

Der Horizont scheint unendlich weit entfernt, ohne ihn wäre kein Ziel im Leben.

Das Meer des Lebens hat einen Horizont.

Das Meer meines Lebens hat seichte Stellen.

Da kann mein Boot mal dümpeln.

Ich saß mit Gott noch nie in einem Boot. Zeit, Ausschau zu halten,

Zeit durchzuatmen, Zeit, Boote zu wechseln.

Ich saß mit Gott noch nie in einem Boot. Und, ja, auch ich kenne Wind und Wellen.

Ich kenne den Sturm und kenne die Flut.

Ich kenne das Meer, das echte, das Wasser, das blaue und graue,

die Kälte und Nässe, das Tosen und Brausen und Schäumen, die Gischt.

Und: Ich kenne das Meer, das weite und tiefe, das Meer,

das man „das Leben“ nennen kann.

Das Meer, das Leben, das fließt und das brandet, wo es wuselt und wimmelt,

sich regt und sich kringelt, unendlich schön, unfassbar bunt, unheimlich spannend.

 

Großartig!

Ich kenne das Meer, das Leben, das so viel bietet, in Breite und Weite in Tiefe und Größe und manchmal so breit und so weit und so tief und so groß ist,

dass man sich verliert, dass man schier sinkt und drin ertrinkt.

Ich kenne das Meer, die Massen des Wassers, die Fluten des Lebens, die Kräfte,

die Stärke, den Druck und die Macht, die manchmal kaum Luft und Raum zum Atmen lassen.

Ich kenne den Wind,

der öfter von vorn kommt, kenne den Alltag und kenne den Stress. Ich kenn

e die Wellen aus Sorge, aus Plage und Mühe.

Ich kenne den Druck von Leid und von Schmerz.

Ich weiß, wie es ist wenn Tränen laufen, Gesichter fluten,

wenn Kehlen schluchzen und wie Wasser glucksen,

und wenn da nichts ist, was das Tränenmeer stillt.

Ich kenne das Kalte das graue Gefühl,

die Weite als Leere, die Tiefe als Abgrund die Größe als Hürde.

Ich kenne die Wellen, das leise Schwappen, wenn Kummer Langsam, aber stetig,

immer wieder an der Seele nagt, Kummer vor Liebe, vor Weltschmerz, vor Krankheit,

vor Not. Ich kenne das Meer, das echte, das Wasser.

Ich kenne das Leben. Von beiden Seiten.

Die schöne und feine. Und die andere auch.

Ich weiß, was Lust am Leben ist.

Weiß aber auch, was Angst. Und du?

Ich saß mit Gott noch nie in einem Boot.

Ruth ist da und ihre Schwiegermutter Noomi ignoriert sie.

Ruth hält dem Sturm stand.

Sie bleibt.

„Am Ende wird das Meer in der Erinnerung blau sein“.

(Gedicht von R. Kunze)

Blau wie der Himmel, wie die Treue Gottes.

Am Ende des Lebens umgibt mich das Meer meines Lebens noch immer.

Es umhüllt mich wie ein weites Kleid.

Gott schenke uns die Barmherzigkeit, die Noomi und Rut verbunden hat.

Amen.

Lied: EG-E 31

„Damit aus Fremden Freunde werden“ Damit aus Fremden Freunde werden, kommst du als Mensch in unsre Zeit: Du gehst den Weg durch Leid und Armut, damit die Botschaft uns erreicht. Damit aus Fremden Freunde werden, schenkst du uns Lebensglück und Brot: Du willst damit den Menschen helfen, retten aus aller Hungersnot. Damit aus Fremden Freunde werden, vertraust du uns die Schöpfung an; du formst den Menschen dir zum Bilde, mit dir er sie bewahren kann. Damit aus Fremden Freunde werden, gibst du uns deinen Heilgen Geist, der, trotz der vielen Völker Grenzen, den Weg zur Einigkeit uns weißt. Ich bete: Du Gott der Völker, du bist das Licht und das Leben. Du bringst die Hoffnung und der Frieden. Höre uns. Du Gott der Völker, in allen Nationen leiden die Menschen, suchen Schutz vor Ansteckung, sehnen sich nach Heilung, trauern um ihre Toten. Du bist das Leben. Du kannst heilen und trösten. Höre uns. Du Gott der Armen, in der Kälte leiden die Schwachen, frieren ohne Obdach, suchen nach Essbarem, verlieren die Hoffnung. Du bist das Leben. Du kannst retten und beschirmen. Höre uns. Du Gott des Friedens, überall hoffen die Menschen deiner Gnade, sie leben mit den Wunden der Vergangenheit, reichen die Hände zur Versöhnung, bauen Brücken. Du bist das Leben. Du bist der Friede. Höre uns. Verwandle uns. Mache uns zu Menschen des Friedens durch Jesus Christus. Er ist das Licht in unserer Dunkelheit und unsere Hoffnung – heute und alle Tage.

Amen.

Wir beten gemeinsam:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

(Segen)

Herr, segne uns und behüte uns.

Lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns deinen Frieden.

Amen.

(Musik zum Ausgang)